| DIE GESCHICHTE DES HAUSES Werdegang der Adler Apotheke in Dinkelsbühl. |
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| Ein
doppeltes Jubiläum feierte die Adler-Apotheke. Das Haus, eines der
schönsten Barockgebäude in Dinkelsbühl, wurde vor 250 Jahren
anstelle zweier abgerissener Häuser errichtet. Seit 138 Jahren wird
es als Apotheke genutzt, die 1967 nach gründlichen Umbaumaßnahmen den
Anforderungen der neuen Zeit angepaßt wurde. Dabei blieb die äußerliche Schönheit des Barockhauses unangetastet, während die Innenräume und Einrichtungen so gestaltet wurden, daß sie auch in Zukunft den an eine moderne Apotheke gerichteten Anforderungen entsprechen werden. Häuser haben, zumal in einer historisch gewachsenen Stadt wie der ehemaligen Reichsstadt Dinkelsbühl, nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch ihren besonderen Charakter. In der ‚Unteren Apotheke' kommt dieser schon in der eleganten Fassade zum Ausdruck. ‚Vorläufer' des imposanten Baus an der Ecke am Ledermarkt zur Klostergasse waren eigentlich zwei Häuser, wie Stadtarchivar Hermann Meyer in seinem ‚Häuserbuch' festhielt. Im Hauptgebäude betrieb der ‚Lammwirt' und Metzger Johann Kaspar Melber zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Gastwirtschaft, und im Stadel dahinter standen 1727 vier Pferde, zwei Ochsen und eine Kuh. Als Nachfolger wird 1750 Johann Michael Melber genannt, dem im gleichen Jahr der Handelsmann Duboul Monet folgte. Der machte - nach einem Brand - Nägel mit Köpfen. Er kaufte, wie Johann Matthäus Metzger in seiner Chronik berichtet, 1748 die Lammwirtschaft und das daranstoßende Haus der Büchsenmacherin Meierin, ersteres um 1800, letzteres um 202 Gulden, riß beide nieder und baute ein schönes Haus. Die katholische Kirchenpflege half als Kreditgeberin - Monet revanchierte sich, indem er eine fast lebensgroße Madonnenstatue über dem Frontportal des repräsentativen Gebäudes anbrachte. Die aus Sandstein geformte, farbig gefaßte Darstellung der unbefleckten Jungfrau und Muttergottes sorgte allerdings für Unfrieden unter den Konfessionen, ein Sturm im Wasserglas, der sich längst gelegt hat... Als weitere Hausbesitzer nennt die Chronik im Jahr 1766 den Handelsmann Franz Anton Linder und 1786 Johann Josef Kolb, der die Ämter eines Senators und Stadtrates bekleidete. Zum zweitenmal gab es um das Haus erhebliche Auseinandersetzungen, als der langgehegte Plan, in der ehemaligen Lammwirtschaft eine zweite Apotheke einzurichten, hohe Wellen schlug - wobei wiederum konfessionelle Streitigkeiten eine Rolle spielten. Der Magistrat hatte sich bereits 1747 gegen ein solches Vorhaben gesträubt und lehnte auch weiterhin entsprechende Anträge ab, bis im Jahre 1870 endlich das Eis brach und der Apotheker Eduard Gänßler laut höchster Ministerialentschließung die Konzession erhielt. 1903 ging die ‚Untere Apotheke', wie die Adler-Apotheke auch heute noch im Volksmund heißt, in den Besitz von Moritz Altreuter über, dem 1936 Albert Goderbauer folgte. Als er 1965 verstarb, ging die Nachfolge nahtlos an seinen Sohn Hans. Dieser teilte sich die Verantwortung seit dem 1. Januar 1997 mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Klaus Milz, der seit 1.1.2000 die Apotheke in eigener Regie weiterführt. Die Adler-Apotheke ist mit dem Schicksal der Stadt Dinkelsbühl besonders verwoben. Hier suchte im April 1945, als der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen lag, der in Nürnberg amtierende Generalkonsul des Königreichs Schweden, Sven Helander, Zuflucht vor den verheerenden Bombenangriffen. Er fand mit seiner Familie bei der Familie Goderbauer eine Heimstatt. Als die Amerikaner anrückten, um die Stadt einzunehmen, erwarb sich Helander als Angehöriger eines neutralen Staates als Unterhändler große Verdienste um die Bewahrung Dinkelsbühls. Alte Häuser haben ihre Geschichte und Geschichten. Aus der ‚Lammwirtschaft' mag in Jahrhunderten mancher Zecher nach zu reichlichem Alkoholgenuß einen Brummschädel nach Hause getragen haben. Seit 138 Jahren gibt es im gleichen Haus probate Mittel gegen den Kater und sonstige Mißhelligkeiten, die das Leben so mit sich bringt... Fazit: Wohltäter sind sie beide: Die Wirte, die Hunger und Durst stillen, und die Apotheker, die sich bemühen, Kranken ihre Gesundheit wiederzugeben, und Gesunden ihre Gesundheit zu erhalten... Text: Alban Baumhartner |
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